Wetterstation Olbernhau im Erzgebirge

 

Das Jahr 2012

 

Beim Rückblick auf das Wetterjahr 2012 fallen vor allem die zahlreichen großen oder kleinen neuen Rekordwerte auf. Die Ursache sehen viele im Klimawandel, vereinzelt muß sogar das Schaltjahr dafür herhalten. Klar ist jedoch: Das Wetter war schon immer für Überraschungen gut. Und was sind schon Rekorde in einem beobachteten 35jährigen Zeitraum?. Nur daraus einen Klimawandel abzuleiten wäre sicher zu einfach gedacht.

Der Januar begann teils stürmisch und mit zwei Gewittern sowie mit 10 Grad viel zu mild, allerdings nicht rekordverdächtig. Dafür sorgte viel mehr der Niederschlag. Dieser fiel zumeist als Schneeregen oder Regen und die Menge von 160 Litern pro Quadratmeter entsprach dem Zweieinhalbfachen des Normalen. Um die Monatsmitte und –ende gab es etwas Schnee. Mit zunächst nur acht Zentimetern als Schutz vor der bevorstehenden Eiseskälte allerdings viel zu wenig, wie sich Anfang Februar noch zeigen sollte. Bis Monatsmitte sanken die Nachttemperaturen sechs Mal unter minus 20 Grad. Ebenso oft blieb die Tageshöchsttemperatur unter minus zehn Grad. Am kältesten Tag (6. Februar) betrug die errechnete Durchschnittstemperatur minus 19 Grad. Den tiefsten Wert in dreieinhalb Jahrzehnten Wetterbeobachtung in Olbernhau überhaupt zeigte das Thermometer am 12. Februar morgens mit minus 24,5 Grad an. Drei Tage später fand die längste und strengste Kältewelle seit Jahrzehnten ihr Ende. Genauso wie der Winter insgesamt, denn ein nachhaltiger Rückfall fand nicht mehr statt. Vielmehr beeindruckte bereits der März mit Rekordtemperaturen zur Monatsmitte von zweimal über 20 Grad. Weniger als die Hälfte des Niederschlagssolls und über 180 Prozent Sonnenscheinausbeute machten den deutlich verfrühten Frühling fast perfekt. Ein Miniangriff des Winters Anfang April scheiterte zwar in punkto Schnee. Allerdings führte dieser mit knapp 2 Grad Höchsttemperatur am Ostersonntag und minus 5 Grad in der Nacht zum Montag zum kältesten Ostern seit Jahrzehnten. Doch die Aufholejagd startete Ende des Monats. Mit drei Sommertagen in Folge und dem absoluten Spitzenwert des Monats von 27,3 Grad am 28. April stand der nächste Rekord zu Buche.

Der Mai führte diese Serie in zunächst rasantem Tempo fort. Bis Mitte des Monats waren von insgesamt sechs Sommertagen (neuer Rekord) bereits vier erreicht. Bis auf 29,2 Grad stieg das Quecksilber am 11. Mai. Nur drei Tage später spielten als Gegenpart die Eisheiligen ihre Macht pünktlich und Eindrucksvoll aus. Am 14. Mai gab es leichten Frost (-0,1 Grad) und Bodenfrost bis zu minus 0,5 Grad in drei Nächten. Regen blieb im vierten Monat in Folge Mangelware. Die Sonne hingegen hatte ein permanentes Plus zu verzeichnen. Das kehrte sich im Juni komplett um. Bereits die Schäfskälte schlug kräftig zu. Am 5. Juni war es zur Mittagszeit mit acht Grad kälter als am 2. Januar, als zur gleichen Zeit 10 Grad gemessen wurden. Herbstliche Kühle wechselte häufig mit gewittriger Schwüle, die die Temperaturen an drei Tagen bis nahe 30 Grad trieb. Der Juli begann die frühen Nachtstunden mit 24,5 Grad. Die schwüle Wärme nährte die Gewitter, die in dieser blitzreichsten Nacht und an weiteren sechs Tagen in Folge immer wieder auftraten. Die eigentlich heißesten Tage, die Hundstage, begannen mit morgendlich frischen 5 Grad am 23. Juli, schwangen sich aber an vier Tagen (25.-28. Juli) erfolgreich auf über 29 Grad auf. Eine tropische Nacht, eine absolute Seltenheit im Olbernhauer Tal, mit 21,2 Grad zum 28. Juli machte den Rekord dieses Monats perfekt. Kräftige Schauer, teils gewittrig, vermiesten den Start in August. In der anschließenden Trockenphase versagte die Warmluftzufuhr. Nachts fünf Grad, am Tage teilweise nur 15 bis 17 Grad waren sommeruntauglich. Jedoch auf den Tag genau sieben Wochen nach dem Siebenschläfer standen die Zeichen, zumindest tageweise, auf Hochsommer. Mit 32,5 Grad konnte am 19. August zum ersten Mal in diesem Sommer die 30-Grad-Marke geknackt werden. Einen Tag darauf fielen mit 36,0 Grad in Olbernhau alle Hitzerekorde. Gleichzeitig bedeutete das eine historische Temperaturdifferenz von 60,5 Grad zu den minus 24,5 Grad im Februar! Mit über 30 Litern Dauerregen am Monatsende wurde ein Rest der Augustwärme binnen 24 Stunden regelrecht weggespült.

Wechselhaft, so wie der gesamte Sommer, präsentierte sich auch der September. Mit weiteren zwei Sommertagen summierte sich die Zahl derer über 25 Grad etwas überraschend auf überdurchschnittliche 34 Tage. So viele wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Als dritter Monat in Folge zeigte sich der Oktober viel zu trocken. Bemerkenswerter aber sind die zwischen dem ersten Bodenfrost am 9. und richtigen Luftfrost am 27. liegenden goldenen Herbsttage. Diese gipfelten in einem neuen Temperaturrekord einer zweiten Oktoberhälfte von 22,3 Grad am 20. Oktober. Spektakulärer hätte der Kontrast anschließend nicht ausfallen können., denn genau eine Woche später, am 27., lag mit 14 Zentimetern der Schnee so hoch, wie noch nie in einem Oktober seit Registrierungsbeginn. Nächtliche minus 6 Grad zum Monatsausklang wurden zudem letztmals 1997 gemessen.

Die Hälfte des Monats November litt die Region unter böhmischem Nebel. Während nahezu überall in Sachsen die Sonne wärmte, blieb es auf und am Erzgebirgskamm neblig trüb und kühl. Als sich der Wind am vorletzten Tag drehte, stürzte ein, für Starkniederschläge berüchtigtes Vb-Tief, unter Mithilfe nordischer Kaltluft die Region in ein Winterchaos mit schwerem Schneebruch. Äste, ja ganze Bäume hielten der Last nicht stand und blockierten auch Straßen und Gleise. Letztlich kein Wunder, denn die größte Tagesniederschlagsmenge des Jahres mit über 42 Litern pro Quadratmeter kam in Form von äußerst nassem, schwerem und auf den Straßen rutschigem Schnee vom Himmel. Das Meßergebnis der Schneehöhe am 30. November: 26 Zentimeter. Diese Schneedecke wuchs im Dezember sogar noch deutlich, auf bis zu 60 Zentimeter an. Dazu kalte Nächte, zweimal sogar unter minus 15 Grad, ließen Hoffnung auf weiße Weihnachten aufkommen. Unberechtigt, denn ganz pünktlich stellte sich das legendäre Weihnachtstauwetter ein. Mithilfe von über 36 Litern Regen pro Quadratmeter am 23. spülte es den Schnee in der Folge komplett weg.

 

Das Jahr 2012 in Olbernhau:

 

Jahresmittel-Temperatur: 7,7°C (0,1 Grad über dem 30 jähr. Mittel)

Temperatur-Minimum: minus 24,5°C (am 12. Februar)

Temperatur-Maximum: 36,0°C (am 20. August)

Frosttage: 97 (Tagesminimum <0°C)

Eistage: 37 (Tagesmaximum <0°C)

Sommertage: 34 (Tagesmaximum >25°C)

heiße Tage: 2 (Tagesmaximum >30°C)

Sonnenstunden: 1623 (121 % vom Durchschnitt)

Niederschlag: 909,5 l/m² (105 % vom Durchschnitt)

Tage mit meßbarem Niederschlag: 182

Tageshöchstmenge: 42,2 l/m² (am 29. November)

Tage mit erheblichen Niederschlagsmengen: 6 (>20 l/m² in 24Std.)

Tage mit geschl. Schneedecke: 71

Gewittertage: 31

 

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