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Droht die Versteppung?
 
 
Brandenburgische Prärie 

von Mathias Hiebsch

Im Land Brandenburg ist das Wasser knapp. Es regnet zu wenig. "Unser gewässerreiches Bundesland ist wasserarm", sagt der Agrar- und Umweltminister des Bundeslandes, Wolfgang Birthler (SPD). 

Aufgrund des kontinental beeinflussten Klimas "liegen die Niederschläge um 20 Prozent unter dem deutschlandweiten Mittelwert". Außerdem sei eine Verschiebung der Regenfälle vom Sommer in den Winter zu verzeichnen, schlussfolgerte Birthler anhand eines Berichts der Arbeitsgruppe "Landschaftswasserhaushalt". Diese Gruppe hatte er ins Leben gerufen, um das Wasserangebot in Brandenburg aktuell zu analysieren und erste Gegenmaßnahmen vorzulegen.

Das Wasser verflüchtet sich

In weiten Teilen Brandenburgs verdunstet mehr Wasser, als durch Grundwasser neugebildet wird. Zum einen ist der schleichende Temperaturanstieg schuld. Eine andere Ursache ist die teilweise Überbewässerung in intensiv bewirtschafteten Gebieten. So wurden 90 Prozent aller Wasserläufe im Land stark verändert, wodurch sich besonders im Frühjahr der Abfluss erhöhe, heißt es in dem Bericht. 

Weiterhin ließ die jahrhundertlange Urbarmachung ungenutzten Bodens die meisten wasserspeichernden Moore verschwinden. Landwirtschaftliche Kulturen können auf leichteren Standorten etwa 17 Tage ohne Niederschläge schadlos überstehen, anderswo sind Böden zirka 40 Tage mit genügend Flüssigkeit versorgt.

Dürre in Brandenburg

Versteppung charakterisiert das langsame Austrocknen einer Landschaft infolge von Wassermangel und eine Verarmung der Pflanzen- und Tierwelt. Davon kann in Deutschland noch nicht gesprochen werden. "Im Moment haben wir eine Dürre", sagte Professor Dr. Gerd Schmitz vom Institut für Hydrologie und Meteorologie in Dresden gegenüber n-tv.de. 

Obwohl das Schlagwort im globalen Sinn hohe Aktualität aufgrund der zunehmenden Klimaerwärmung besitze, sei diese Bezeichnung für Deutschland nicht relevant. Allerdings sei "Brandenburg auf lange Sicht potenziell aufgrund seiner Böden gefährdet", erklärte Schmitz. 

Geteiltes Deutschland

Langfristig verändern sich die einzelnen Klimabereiche in Deutschland. Die Experten erwarten eine diagonale Teilung in zwei Klimazonen. Im Südwesten sei es ganzjährig feuchter und milder geworden, sagte Professor Dr. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der Osten Deutschlands werde hingegen trockener. Der Niederschlag gehe dort vor allem im Sommer zurück. "Insgesamt prägen sich die einzelnen Klimazonen in Deutschland stärker aus."

Die so genannte Westwindzirkulation über dem Nordatlantik habe sich laut Gerstengarbe im Winter verstärkt und sei ein Grund für die klimatischen Veränderungen im Südwesten Deutschlands. Sie trägt feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa. "Die Tiefdruckgebiete vom Atlantik und Mitteleuropa treten häufiger auf und dauern länger an."

Bereicherung des Wasserhaushalts

Die für die Region Brandenburg charakteristische Trockenheit hat sich nicht nur verstärkt, sondern nach den Erkenntnissen Gerstengarbes auch nach Norden und Nordwesten ausgedehnt. "In dieser Region muss sich die Landwirtschaft anpassen und in den kommenden drei bis vier Jahrzehnten Pflanzen anbauen, die Trockenheit besser vertragen." 

Die brandenburgische Landesregierung unterstützt bereits Projekte, welche den Wasserrückhalt in der Landschaft verbessern sollen. Dafür steht ein Etat von insgesamt 50 Mio. Euro zur Verfügung. Statt Kiefer-Monokultur soll beispielsweise mehr Mischwald von der Forstwirtschaft angepflanzt werden. Überbewässerung soll durch "bedarfsgerechten Betrieb von Stauanlagen entgegengewirkt werden." 

Minister Birthler empfiehlt: "Zukünftig muss es gelingen, den Umgang mit der Landschaft stärker an die zeitliche und räumliche Dynamik des Wassers anzupassen – und nicht umgekehrt."

Mittwoch, 16. Juli 2003
 

Kaum noch Wasser unter'm Kiel 

Ostdeutschland liegt in Zukunft nach der Vorhersage der Wissenschaftler durch die Erderwärmung auf der Sonnenseite. Dagegen bringt der erwartete Klimawandel dem Westen und Süden Deutschlands mehr Regen. 

Insgesamt sei eine stärkere Ausprägung der Klimazonen zu erwarten, sagte Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung am Montag in Potsdam bei der Vorstellung einer Studie zu den Folgen der Klima-Änderung im Land Brandenburg. Generell müsse mit einer Zunahme von extremen Wetterereignissen gerechnet werden. 

Die Klima-Änderungen hätten weit reichende Folgen, erklärte Stock. Sie müssten in der Landwirtschaft ebenso wie beim Flussausbau oder im Tourismus bedacht werden. Bei einem angenommenen Temperaturanstieg um 1,4 Grad bis 2055 werde beispielsweise in der Region Berlin-Brandenburg die Niederschlagsmenge von 600 auf 450 Milliliter abnehmen. Gleichzeitig nehme die Verdunstung zu. Sinkende Grundwasserstände und Flusspegel könnten deshalb zu Wasserknappheit und schlechterer Wasserqualität führen.

Als Folge der klimatischen Änderung könnten aber auch die in Brandenburg noch häufig anzutreffenden Niederungen, Moore und Feuchtgebiete verloren gehen, erklärte Stock. In der Landwirtschaft sei ein Rückgang der Weizen-Erträge um bis zu 17 Prozent zu erwarten. 

Auf Grundlage der Studie müssten Maßnahmen zur Abmilderung der Folgen ergriffen werden. Für die Landwirtschaft sei es besser, Mais anzubauen, da die Erträge sogar leicht zunehmen könnten. Anstatt Kiefern anzupflanzen, sei die Aufforstung von Mischwald anzuraten, da so das Wasser besser gespeichert werde. "Es muss aber beispielsweise auch untersucht werden, ob der Ausbau der Havel bei diesem Szenario noch Sinn macht", so Stock. "Die Frage wird sein, ob im Sommer überhaupt noch die Handbreit Wasser unter dem Kiel vorhanden ist."
Montag, 30. Juni 2003

beides Quelle: www.n-tv.de

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Letzte Aktualisierung 06.08.2003
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